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Die Wurm in Übach-Palenberg

Der bestimmende Fluss in unserer Stadt ist zweifellos die Wurm. Früher ein sich vielwindender Wasserlauf, in den Jahren 1970/71 durch den „Wasserverband Mittlere Wurm“ reguliert. „Markenzeichen“ der Wurm waren bis zu diesem Zeitpunkt die häufigen Überschwemmungen in den Niederungen des Flusses. Landläufig nimmt man an, dass der Bach seinen Namen wegen seiner vielen wurmförmigen Krümmungen erhalten hat, wozu dann die im Deutschen übliche weibliche Geschlechts-bezeichnung für Flüsse ihr Übriges getan habe. Zunächst überlieferte uns Einhard (Geschichtsschreiber Karls des Großen) im Jahre 827 den Namen der Wurm als „Vurmius fluviolus“ und im Jahre 973 tauchte der Bach dann als „Wurm“ und 1018 als „Worm“ auf. Auf Karten des 16. Jahrhunderts bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts findet man die Wurm wieder als „Worm“. So heißt der Bach in der Mundart auch heute noch und lautet mit dem Namen des Wurmes völlig gleich. Welchen Ursprung der Name nun hat, legte der Geilenkirchener Heimatforscher Joseph Gotzen in einer Arbeit aus dem Jahre 1925 fest. Der Name Wurm geht daraufhin auf eine nichtdeutsche Wortwurzel „borm“, die dem lateinischen „formus“, unserem „warm“ entspricht und „sprudeln, sieden“ bedeutet. Die Wurm hat also ihren Namen als „warmer Bach“ von den vordeutschen Bewohnern des Landes nach den warmen Quellen in Aachen erhalten, die ihre Abwässer in die Wurm entsandten und sie warm machten. Das war äußerlich gewiss daran zu erkennen, dass die „Wurm“ eine Strecke weit dampfte. Vielleicht hat man früher sogar die heißen Quellen in Aachen als den Ursprung der Wurm angesehen. Die Deutschen, das sind in diesem Falle die Franken, haben bei der Eroberung des Landes den Namen von den Bewohnern, den Kelten, übernommen. Durch den Übergang des anlautenden „b“ in „w“ - eine durchaus lautgesetzliche Erscheinung - glich sich der Name von selbst dem deutschen Wurm, niederdeutsch „worm“, an und wurde von den Deutschen gewiß auch so verstanden. Durch Inschriften wissen wir, dass die Kelten eine Quellengottheit „Bormo“ auch „bormanus“ oder weiblich „Bormana“ verehrten. Ein Flüßchen „Worm“ befindet sich in Westengland auf ehemals keltischem Gebiet. Eine „Bormida“ fließt in Piemont in Italien. Denselben Namen trug auch ein kleiner Nebenfluss des Rheines, nach dem die alte Stadt Worms ihren Namen hat. Sie hieß im Altertum „Bormitomagus“ oder „Bormetomagus“ - „Feld an der Bormita“. Ein Bad „Bormio“ liegt im Veltlintal in den italienischen Alpen. Es hat warme Quellen wie Aachen. Zu deutsch heißt der Ort „Worms“ und der Paß, der in das Tal von Bormio führt, heißt das „Wormser Joch“. Aus dem Umstand, dass ein Teil dieses Namens nicht auf keltischem, sondern auf ehemals ligurischem Gebiet vorkommt, hat man geschlossen, dass diese Namen ligurisch sind, und dass die Ligurer ehemals den größten Teil Westeuropas bewohnten, ehe sie von den nach Westen vordringenden Kelten unterjocht und verdrängt wurden. Demnach wäre auch der Name der „Wurm“ als ligurisch anzusehen. Indessen ist das vorläufig nur eine Vermutung, die allerdings manche Wahrscheinlichkeit für sich hat. Auch die Bedeutung „borm - warm“ ist nicht unbedingt sicher. Da es sich bei den mit „Borm“ zusammengesetzten Namen keineswegs immer um warme Quellen handelt, ist es wohl möglich, dass das Wort lediglich „Quelle“, besonders „heilige Quelle“ bedeutet, und dass der von dort verehrte Gott Bormanus der „Quellgott“ war. Dass heiße Quellen besonders als heilig verehrt wurden, ist ja leicht zu verstehen. Nach dieser Ansicht, die sich so wenig zwingend beweisen lässt wie die erste, wäre also, wie der Geschichtsforscher erklärt, „auch der Name der Wurm als „Quelle“ zu deuten.“ Letztendlich kommt Joseph Gotzen doch zum Schluss, dass doch das Wort „borm - warm“ für den Namen unserer „Wurm“ Pate gestanden hat. (aus Rur-Wurm-Nachrichten, 18.07.1964)

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