@ Tomasz_Mikołajczyk

E-Sport öffnet neue Wege für sinnvolle Synergien zwischen der Sportbranche und der zunehmenden Digitalisierung. Bislang wurde dieser eher junge Teilbereich des Sports eher kontrovers diskutiert. Trotzdem hat die Bedeutung von E-Sport im Profi- und Amateurbereich und auch als Wirtschaftsfaktor stetig zugenommen. Nordrhein-Westfalen übernimmt als Bundesland eine Vorreiterrolle in der Förderung des E-Sports und seiner Akteure.

Gamingbranche als Wirtschaftsfaktor erkannt

Die Gamingbranche boomt seit Jahren. Anlässlich der alljährlich in Köln stattfinden Videospielmesse „Gamescom“, die 2020 aufgrund der Ausnahmesituation nur digital umgesetzt werden konnte, sprach der Informationsdienst des Instituts der Deutschen Wirtschaft sogar von einem Dauerboom. Umsatzerhebungen für das Geschäftsjahr 2020 gingen von einem weltweiten Umsatz in Höhe von 159 Millionen US-Dollar aus. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2019 entspricht das einem Wachstum von 9,3 Prozent.

Für Deutschland veröffentlichte das iwd ebenfalls Auswertungen, die ein vielversprechendes Wachstum für die Gamingbranche zeigen:

„Auch in Deutschland wächst der Gamesmarkt: 2019 stieg der Umsatz um 6 Prozent auf rund 6,2 Milliarden Euro. Die Branche beschäftigt hierzulande rund 30.000 Mitarbeiter in 622 Unternehmen.“

(Quelle: www.iwd.de)

Die wichtigste Einnahmequelle des Sektors sind derzeit mobile Spiele für Smartphones und Tablets. Mit Produkten aus diesem Bereich, inklusive den stark wachsenden In-App-Käufen, generieren Spieleentwickler inzwischen rund 50 Prozent des Gesamtumsatzes.

Für frischen Wind in der Branche sorgen aber auch zwei eher junge Akteure, die den Markt erweitert und für neue Zielgruppen attraktiv gemacht haben. In den 2000ern gelang den Online Casinos weltweit ein Durchbruch, der die Gamingwelt bereicherte. Die ersten Online Casinos traten zwar bereits in den 90ern auf den Plan, zu einem echten Wirtschaftsfaktor wurden die neuen Anbieter aber erst nach der Jahrtausendwende. Seitdem können Gaming- und Glücksspielfans weltweit zum Beispiel im bet-at-home Casino Erfahrungen sammeln. Durch die Integration der neuen Entwickler hat sich die Gamingbranche für eine ganz neue Zielgruppe geöffnet. Dies wird sich in Zukunft auch wirtschaftlich auswirken.

Mindestens ebenso viel Potenzial für die wirtschaftliche Entwicklung der Branche bietet der Bereich E-Sports. Durch den Brückenschlag zum Wirtschaftsfaktor Sport ist eine Erweiterung gelungen, die für starkes Wachstum sorgen könnte. Nordrhein-Westfalen hat als eines der ersten Bundesländer das Potenzial des Sektors als Wirtschaftsfaktor erkannt und arbeitet konsequent an Möglichkeiten, um insbesondere die noch neuen und aufstrebenden Akteure wirkungsvoll zu unterstützen.

Mit einer breiteren Unterstützung in der Öffentlichkeit, einem aktiven Ausbau des Angebotes und der Entwicklung einer starken Interessensvertretung auf staatlicher Ebene soll unter anderem der E-Sport in eine erfolgreiche Zukunft geführt werden.

Neuer E-Sport Landesverband für NRW

Ein starkes Instrument für die Entwicklung von NRW zum attraktiven Gaming-Standort soll die Gründung des neuen E-Sport Landesverbandes werden. Der endgültige Startschuss ist für Ende Mai oder Anfang Juni 2021 geplant. Gespräche zur inhaltlichen und formalen Gestaltung laufen bereits mit vielen zentralen Akteuren der Landesregierung und des E-Sports in NRW.

Die bestehende E-Sport-Szene in NRW soll bei der Entwicklung des Landesverbandes von Anfang an stark integriert werden und wesentliche Strukturen aktiv mitgestalten. Unterstützung erhält das Projekt außerdem vom Esport-Bund Deutschland e. V. Der Verband auf Bundesebene wird das noch junge Projektteam dabei unterstützen, das geplante Vorhaben in enger Abstimmung umzusetzen.

„Mit dem Landesverband möchten wir den regionalen E-Sport stärken, Ansprechpartner bereitstellen sowie gemeinsame Projekte voranbringen. Für den ESBD ist das der nächste logische Schritt für den organisierten E-Sport in Deutschland“, erklärte Martin Müller, Leiter Breitensport des ESBD.

Damit das Endergebnis stimmt und der Landesverband die Interessen dieser vielschichtigen und innovativen Branche bestmöglich vertreten kann, werden auch andere Vertreter bereits rege zu konstruktiven Gesprächen eingeladen. In mehreren Online-Konferenzen fand schon ein produktiver Austausch mit Gaming in Order e.V., eSports Cologne e.V., Bielefeld eSports e.V. und das Esports Research Network statt. Alle genannten Organisationen sind im Projektteam für den Landesverband repräsentiert. Die Leitung des Projektteams hat Andy Franke übernommen.

„Uns ist es wichtig den Verband an den Bedürfnissen der E-Sport-Szene im Land auszurichten, weshalb wir offene Workshops zu Themen wie der Servicestruktur, Sicherer E-Sport und E-Sport Jugend anbieten. Jede und jeder soll die Möglichkeit haben die inhaltliche Ausrichtung des Verbandes mitzugestalten“, erläutert Franke, CEO Finance Gaming in Order e.V., die Vision für die neue Institution.

Bis zum Start im Sommer soll es verschiedene Workshops geben, deren Ziel es ist, erste Ziele zu definieren und thematische Schwerpunkte des Landesverbandes zu entwickeln.

NRW als Förderer der Gaming- und E-Sport-Szene

Die Gründung des neuen Landesverbandes ist längst nicht das erste Projekt, mit dem NRW sich als Gaming-Standort etablieren und der E-Sport-Szene auf den Weg helfen möchte. Bereits Anfang 2020 wurde mit der „esports player foundation“ eine Stiftung ins Leben gerufen, die den E-Sport und seine Akteuren vor allem wirtschaftlich unterstützen soll. Mit dabei ist unter anderem „SK Gaming“, die bislang bekannteste und damit einflussreichste Organisatin im Bereich E-Sport. Bei „SK Gaming“ mischen inzwischen große Namen wie Daimler Benz und der 1. FC Köln mit.

Wie stark die Landesregierung NRW sich als Förderer versteht, zeigt auch die Gründung der neuen Stiftung. 200.000 Euro Startkapital erhält die „esports player foundation“ von Regierungsseite. Mittelfristig sollen Förderer und Unterstützer aus Sport und Wirtschaft die erforderlichen Mittel auch ohne staatliche Hilfe aufbringen können.

NRW-Staatssekretär Nathanael Liminski (CDU) erläutert im Gespräch mit dem Deutschlandfunk, warum die Stiftung auch für NRW als Wirtschaftsstandort so wichtig werden kann:

„Wir sind sehr stolz darauf, dass wir als Köln, als Nordrhein-Westfalen, da weit über die Landesgrenzen hinaus, sozusagen Hauptstandort sind. Nur, dass das so bleibt, bei der Dynamik, die wir im E-Sport sehen, hängt natürlich auch davon ab, ob wir ‚Profis‘ produzieren, generieren, Vorbilder, und damit auch, im Weiteren, wenn man so will, am Ende eine Jugendarbeit auch, die das sozusagen auch tatsächlich in der Sache trägt. Es wird da nicht nur von großen Namen, Firmen und Unternehmen, der Politik, abhängen, sondern letztlich muss es aus dem Sport selber rauskommen. Und dafür ist diese Stiftung ein super Beitrag.“

Quelle: www.deutschlandfunk.de)

Durch Projekte dieser Art wird aber auch deutlich, dass die Akzeptanz von E-Sport als Wirtschaftsfaktor schon deutlich weiter fortgeschritten ist als die allgemeine Anerkennung innerhalb der Sportbranche. Hier werden nach wie vor kontroverse Diskussionen darüber geführt, ob E-Sport die erforderlichen Kriterien erfüllt, um überhaupt als Sportart anerkannt zu werden. Insbesondere die kritische Betrachtungsweise vieler Verantwortlicher aus der Sportbranche hat dazu beigetragen, dass E-Sport bislang auf recht verlorenem Posten kämpfte und sein volles Potenzial noch nicht ausschöpfen konnte. Durch die Intervention der Landesregierung sollen hier neue Möglichkeiten und eine breitere Lobby geschaffen werden.

„Wir führen in Deutschland eine intensive Debatte über die Definition von Sport, aber ich glaube, die Realität ist längst weiter“, so Liminski gegenüber dem Deutschlandfunk. „Tausende junge Menschen machen E-Sports und leben da Werte, die auch im traditionellen Sport gelebt werden: Leistungsbereitschaft, Teamfähigkeit, Fitness. Und das sind Dinge, die wir aus unserer Sicht als Beitrag zur Gesellschaft ansehen und es ist gut, dass die E-Players-Foundation den Spieler als Ganzes in den Blick nimmt und damit auch zum Ausdruck bringt: E-Sports ist nicht nur Zocken, sondern E-Sports ist Sport, in dem Sinne, als dass Leistung gebracht werden soll, als dass Exzellenz entwickelt werden soll, als dass gewonnen werden soll und Spitze erreicht werden soll.“

Dass die Landesregierung in NRW hinter dem E-Sport steht, wird nicht erst durch die jüngsten Projekte deutlich. Bereits vor rund zehn Jahren, als die Diskussion um den E-Sport an Fahrt aufnahm und viele Landesregierungen das Thema aufgrund des schlechten Rufs von Computerspielen weitgehend ablehnten, galt NRW bereits als Pionier in Sachen E-Sport. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der zu dieser Zeit noch als Jugendminister im Amt war, sorgte bei seinem Amtsantritt dafür, dass für die Gamingbranche künftig das Dreifache an finanziellen Mitteln zur Verfügung gestellt werden sollte. Dadurch wurden die staatlichen Unterstützungen auf die noch heute gewährten 3 Millionen Euro pro Geschäftsjahr angehoben.

Damit hat sich NRW als Bundesland an die Spitze des E-Sports in ganz Deutschland gespielt. Künftige Projekte fallen also auf einen fruchtbaren Boden und können nicht nur dazu beitragen, dem E-Sport zu mehr Akzeptanz zu verhelfen, sondern auch NRW als entsprechenden Wirtschaftsstandort weiterhin attraktiv zu machen.

Sportjugend NRW startet dreijähriges E-Sport-Projekt

Sport ist vor allem für Kinder und Jugendliche ein wichtiger Aspekt zur Förderung von Gesundheit und sozialer Entwicklung. Deshalb sind Sportprojekte seit langem eng mit dem Bildungsangebot des Landes verknüpft. Zu den Trägern gehören neben dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration auch verschiedenen Sportverbände, das Deutsche Sport- und Olymipa-Museum und zahlreiche Bildungseinrichtungen. Im September 2020 hat die Sportjugend NRW ein neues Projekt angekündigt, das auch den E-Sport künftig stärker in das Bewegungs- und Bildungsangebot in NRW einbinden soll.

Unter dem Titel „E-Sport als Angebot der außersportlichen Jugendarbeit im Sportverein“ ist ein dreijähriges E-Sport-Projekt gestartet, das verschiedene Angebote aus dem E-Sport in die bestehenden Strukturen des organisierten Kinder- und Jugendsportes integrieren soll. Im Vorfeld wurden hierfür innovative Konzepte entwickelt. Prof. Dr. Eik-Henning Tappe von der FH Münster hat im Fachbereich Sozialwesen die wissenschaftliche Begleitung des Projektes übernommen.

Martin Müller, Vizepräsident Breitensport des eSport-Bund Deutschland e.V, betont die Bedeutung, die das Pilotprojekt sowohl für die Sportbranche als auch für den E-Sport haben wird:

„Mit ihrem breitgefächerten Projekt baut die Sportjugend NRW eine wichtige Brücke zwischen Sport und E-Sport. Die damit verbundene Offenheit für den E-Sport, der insbesondere junge Menschen begeistert, begrüßt der ESBD ausdrücklich. Wir sind davon überzeugt, dass jede Säule des Projekts, wertvolle Erkenntnisse für die Zukunft liefern wird.“

(Quelle: https://www.gaming-grounds.de)

Die Initiative der Sportjugend NRW könnte einen nachhaltigen Einfluss auf die allgemeine Definition des Sportbegriffes haben und den E-Sport nicht nur als einen Teil der digitalen Medienkultur etablieren, sondern sich auch zu einer sinnvollen Erweiterung des Sport- und Bewegungsangebotes für Kinder und Jugendliche entwickeln.